KLEE ist kreativ und steht auf Klamotten. Daher hat sie sich gedacht, fängt sie doch einfach selber an zu nähen. Raus kommen viele eigenwillige Kreationen aus bunten Stoffen und selbstgestrickte Highlights. All ihre Werke und dazugehörige Anleitungen präsentiert die in München wohnende Franzi auf ihrem Blog “Schneiderpuppe”. Um noch mehr über sie und ihre Lieblingsstücke zu erfahren, steht sie uns im Eigenwerk-Interview Rede und Antwort.

Erzähle uns ein bisschen über dich, wer du bist, wo du lebst und was du bisher in deinem Leben gemacht hast.
Ich bin Klee und komme ursprünglich aus einem verträumten katholischen Nest im Norden Thüringens. Außer großen Karnevalsfeiern, Wurstspezialitäten und einer schönen Landschaft gibt es da nicht viel. Deswegen bin ich auch vor fünf Jahren nach München gezogen. Dort arbeite ich, für euch sicherlich überraschend, als Chemielaborantin. Das Nähen ist sozusagen mein kreativer Ausgleich zur Arbeit. Neben dem Schneidern und seit Neuestem auch Stricken, liebe ich ausgedehntes Frühstücken und Brunchen am Wochenende. Außerdem tanze ich seit sieben Jahren für meinen Karnevalsverein zu Hause (wir sind sogar Thüringer Meister) und ich liebe das endlose Stöbern auf Flohmärkten. Was auch nicht fehlen darf ist das Reisen – vor allem Städtereisen. Letztes Jahr war ich in New York und Amsterdam. Dieses Jahr wird es wohl London und Stockholm. Man sieht dort so viele verschiedene Menschen, Stile und Kulturen. Das inspiriert mich dann, wenn ich vor meiner Nähmaschine sitze.

Wie und wann hast du mit dem Nähen begonnen und wie hast du den Umgang mit Nadel und Faden gelernt?
Bevor ich richtig mit dem Nähen angefangen habe, habe ich probiert, mir ab und an mal etwas mit der Hand zu nähen. Dabei habe ich wohl relativ laut geflucht, so dass mein Freund mir kurz darauf eine Nähmaschine geschenkt hat. Nach kurzer Zeit war ich dem Nähen dann gnadenlos verfallen. Den Umgang mit der Nähmaschine habe ich mir selbst beigebracht. (Oh man ihr hättet meine ersten Versuche sehen sollen – ich will nicht wissen wie viel Meter Stoff mir zum Opfer gefallen sind.) Und so langsam wird es immer besser. Ich glaube, das kann man auch anhand meines Blog ganz gut sehen. Waren die ersten Kleider noch sehr einfach genäht, sind sie heute viel raffinierter und aufwendiger. Ich glaube mir liegt das auch ein wenig im Blut. Meine Oma und ihr Vater hatten mal eine Herrenscheiderei. Das Gen dafür hat dann wahrscheinlich eine Generation übersprungen und ist dann an mich weiter vererbt worden.

Wie bist du auf deine außergewöhnlichen Modelle gekommen und was ist dir bei ihnen besonders wichtig?
Ich habe viele Dinge im Kopf und ich zeichne sie mir nur selten vorher auf. Man könnte auch sagen, ich nähe einfach drauf los. Wichtig für mich ist dabei, dass die Sachen zu mir als Person und meinem „Label“ Klee passen. Ganz wichtig ist mir natürlich auch ein angenehmer Stoff. Da kann das Muster noch so toll sein, wenn ich mich nicht darin wohlfühle, ziehe ich es auch nicht an. Außerdem mag ich besonders kräftige Farben, kleine Raffungen oder Plissees und vor allem gemütliche, weite Schnitte. Ein weiterer Tick von mir ist es, einfache Schnitte zu teilen und durch zusätzlich schräg angeordnete Nähte mehr Dynamik in das Kleidungsstück hineinzubringen. Kurz gesagt: Ich kreiere meine eigenen Lieblingsstücke.

Nähst du nur für dich, oder kann man deine Stücke auch erwerben? Wir haben noch keinen Klee-Shop im Internet entdeckt…
Ja, das ist richtig. Bis vor kurzen habe ich überhaupt nicht daran gedacht, dass jemand meine Taschen/Kleidung/Accessoires gut finden könnte bzw. diese sogar kaufen möchte. Aber ich denke schon darüber nach, einzelne Teile zu verkaufen, aber ich weiß noch nicht genau wie. Ich bin mir nicht sicher, ob meine Stücke auf DaWanda auffallen würden. Da finde ich die Idee kleiner Do-It-Yourself-Läden, die nur eine kleine Zahl ausgewählter Sachen verkaufen, (wie z.B.: Tschau Tschüssi aus Leipzig), schon interessanter. Dort habe ich dann auch die Möglichkeit, vorher zu fühlen, wie der Stoff ist oder wie die Nähte aussehen. Auf jeden Fall überlege ich mir gerade, wie ich mein „Label“ noch professioneller gestalten könnte, ohne dabei an Charme zu verlieren. Ich möchte gerne, dass jemand, der etwas von mir kauft, es auch als sein Lieblingsstück bezeichnet.

Hast Du schon einmal an einem Designermarkt teilgenommen? Gibt es hier interessante Termine für dich in 2011?
Nein, teilgenommen leider noch nicht. Aber das hat mich natürlich nicht daran gehindert, überhaupt auf welche zu gehen. In München gibt es da öfter mal die Gelegenheiten zu. Spezielle Termine für 2011 habe ich nicht. Da ich immer viel unterwegs bin, gehe ich auch eher spontan auf solche Veranstaltungen.

Wie bist du zum bloggen gekommen und was treibt dich dabei an?
Nachdem ich mit dem Nähen angefangen hatte, habe ich nach einiger Zeit nach Gleichgesinnten/Ideen/Inspirationen gesucht und bin so auf die zahlreichen Blogs im Internet aufmerksam geworden. Naja und dann dachte ich mir: Das mach ich auch! Und so entstand „Schneiderpuppe“. Einen speziellen Antrieb habe ich dabei aber nicht.

Liest du selber DIY- und Fashionblogs? Wenn ja, welche inspirieren dich?
Ja klar! Es gibt viele Blogs, dir mir gefallen. Es gibt Blogs, die mich wirklich Inspirieren (wie z.B. Thedreamylittlepictureshow , Blink-Blink, Anmutig , etc.) und andere, die ich gerne lese, weil ich mag, was die Person schreibt oder was sie an sich macht.
Was ich auch richtig toll finde, ist das CUT Magazin. Die Aufmachung, Anleitungen, Interviews und Modestrecken sind echt super und man merkt auf jeder Seite, dass alles mit ganz viel Liebe gestaltet wurde.

Was tägst du neben deinen eigenen Modellen noch? Was ist dir bei deinem eigenen Outfit wichtig, wie würdest du deinen Style beschreiben?
Ich liebe Kleidung die etwas Eigenes hat. Das kann eine ungewöhnliche Farbe sein, ein überraschender Schnitt oder eine Kombination, die man vorher nicht gewagt hätte. Dabei ist es mir völlig gleich, ob das Kleidungsstück günstig oder teuer, alt oder neu bzw. einfach oder aufwendig geschnitten ist. Wichtig ist, dass die Zusammenstellung passt und ich mich wohl fühle. Da passiert es dann auch schon mal, dass meinem Vater plötzlich ein Hemd aus seinem Schrank fehlt…

Auf welche Designer oder kreative Labels stehst du selber und hast du einen Geheimtipp?
Flottenheimer in München ist zwar kein eigenes Label, dafür verkaufen die in ihrem Laden tolle Mode kleiner skandinavischer Labels, die genau meinen Geschmack treffen. Direkt in der Nähe ist Machima. Das sind Münchner Jungdesigner, die ihre tolle Mode zu portemonnaie-freundlichen Preisen verkaufen.
Im Moment bin ich auch total verliebt in die Kleider der Labels „Dice Kayek“ (2011er Sommer Kollektion, diese Falten sind der Wahnsinn)!

Und was sind die größeren Zukunftspläne von Klee? Was fängst du mit deinem Talent an?
Das ist eine sehr gute Frage, auf die ich jetzt noch keine richtige Antwort weiß. Es gibt so viele tolle Labels da draußen. Ich will weiter an meinem Stil feilen und dann mal schauen, was auf mich zukommt. Ich kann mir schon vorstellen irgendwann das Chemielabor gegen meine Nähmaschine einzutauschen, aber nur, wenn alles passt. Ich würde mich freuen dieses Jahr meine ersten Taschen, Accessoires oder vielleicht auch Kleidungsstücke verkaufen zu können und dann schaue ich mal, wie sich mein Blog weiter entwickelt. Am Ende meines kreativen Schaffens sehe ich mich noch lange nicht, im Gegenteil, ich hoffe jetzt geht es erst richtig für mich los =).

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