Melanie hat ihre Passion zum Beruf gemacht. Ihr Hunsrücker Modelabel “Iwazwersch” ist Upcycling auf ganzer Linie. Dabei werden hauptsächlich derbe, aufbereitete Bundeswehrutensilien wie Schlafsäcke, Parka und Hemden zu neuem Leben erweckt. Mit natürlichem Witz, der Fröhlichkeit des Dialekts, einer Designerin mit Persönlichkeit und jeder Menge Schnittteile wurde so aus einer Idee ein Konzept. Extra für uns erzählt Melanie von ihren Kollektionen und ihren Inspirationen.

Als erstes musst du mir bitte den Namen “Iwazwersch” erklären. Hunsrücker Dialekt also …
Ja, der Hunsrück (eine Region) in Rheinland-Pfalz ist meine Heimat. Was liegt also näher als damit zu arbeiten. Nach all den bekannten Dialekten aus Berlin & Köln zum Beispiel dachte ich, es wäre mal Zeit für etwas anderes. Und ich glaube das ist es auch – anders. Der Name schlägt immer ein wie eine Bombe! Wie spricht man das aus, was bedeutet es, welche Sprache ist das? Immer wieder lustig und jeder will mehr darüber erfahren.
Woher kommt deine Faszination für die “gebrauchten” Stoffe? Und woher kam die Idee, mit ihnen etwas neues zu kreieren?
Das war anfänglich eher ein Zufall. Während meiner Diplomarbeit zum Thema „Der Schinderhannes“ war ich verzweifelt auf der Suche nach DEM Material und das war alles andere als einfach. Es sollte modern, aber nicht zu stylish sein, schließlich sollte es ja zu einer „Räuberpistole“ passen. Zufällig bin ich dann über die Bundeswehr-Parka gestolpert und es hat funktioniert. Dazu kam dann noch ein Schlafsack und die Kollektion nahm ihren Lauf. Es ging praktisch wie von alleine. Nach dem ganzen Diplomstress habe ich mich dann immer mehr in die Arbeit damit gestürzt und wollte auf einmal eben kein „neues“ Material mehr. Zumindest nicht nur. Vieles lässt sich aufgrund der Maße und Schnitte nicht realisieren (man hat eben nur begrenztes Material), also habe ich es nach und nach kombiniert. Mittlerweile sind zu den Parkas viele weitere Materialien gekommen, wie Hosen, Hemden und Pullover. Ich finde immer wieder Neues und und ich liebe es, sich durch die Nähte zu trennen und die alten Geschichten, die das Material erzählt, neu zu erfinden. Was gibt es Schöneres? Für mich nichts.!

Was hast du gelernt? Erzähle uns ein bisschen was über dich und deinen Werdegang.
Direkt nach dem Abitur habe ich die „ländliche“ Heimat gegen die Großstadt getauscht. Wie bereits erwähnt, habe ich Modedesign an der ESMOD in München studiert. Drei Jahre voller harter Arbeit, Höhen und Tiefen und ganz viel Mut, es doch anders zu machen. Nach einigen Praktika während des Studiums (Handelspraktikum & Schmuckdesign) und einem Redaktionspraktikum, habe ich dann doch gemerkt, dass ich was Eigenes machen wollte. 2007 habe ich dann effektiv angefangen, an meinem Label zu arbeiten. Und seit fast drei Jahren gibt es nun jährlich zwei Hauptkollektionen (mit Kleidung) im Rhythmus Frühjahr/Sommer, Herbst/Winter und dazu jeweils eine passende Accessoirekollektion,
die das Ganze abrundet.
Ist deine Arbeit mit Iwazwersch dein Full-time-job? Oder was tust du sonst noch?
Ja, das Label ist mein Full-time-job!! Nebenbei gibt es jetzt noch das ein oder andere Projekt, das ich mitbetreue und was mir auch wahnsinnigen Spaß macht. Aber mein Herz hängt an meinem Label und das soll auch so bleiben. Gerade zwischen zwei Kollektionen mache ich gerne auch mal was anderes, um den Kopf wieder frei zu bekommen – wie jetzt! Das hat zwar alles auch mit Mode, Nähen und Trends zu tun, aber ganz ohne kann ich dann auch nicht.

Was ist dir bei deinen Kollektionen wichtig?
Mir ist wichtig das jedes einzelne Kollektionsteil was Besonderes ist. Das klingt im ersten Moment vielleicht etwas abgedroschen, ist es aber bei Weitem nicht. Der hohe Arbeitsaufwand, die recycelten Sachen nicht mehr „alt“ aussehen zu lassen, macht jedes einzelne Stück zu was ganz Eigenem. Ich kann nie garantieren, dass der zweite oder dritte Mantel nach gleichem Schnitt eben genauso aussieht wie der erste – das macht es eben besonders. Mir ist wichtig, dass alles eine Geschichte hat und alles hochwertig verarbeitet wird. Alt oder gebraucht gibt es nach meiner Arbeit nicht mehr. Es ist neu, mit viel Liebe zum Detail hergestellt und in langer Arbeit handgefertigt. Es ist eben nicht die Meterware aus dem Stoffhandel um die Ecke, die man ausrollt, abbügelt und zuschneidet und dann einfach los nähen kann. Zu meiner Arbeit gehört eben das Quäntchen Arbeit mehr. Der Bezug zu meiner Heimat ist mir natürlich auch wichtig, schließlich trägt jede Kollektion einen ganz speziellen Namen. Praktisch ein wenig “Ethno made in Germany”!
Wovon lässt du dich inspirieren?
Meine Inspirationen bekomme ich überall her. Das kann alles sein: von einem Buch, einem
Bildband, einer Reise, der Natur, Kulturen, dem alltäglichen Geschehen … Es geht meist recht schnell. Ich habe für mich festgestellt, dasa es mir nichts bringt, ein Skizzenbuch mit Schnipseln von Fotos, Schriften, Stoffen oder Ähnlichem zusammenzukleben. Das macht mich wahnsinnig … hahaha.
Woher bekommst du deine Materialien?
Meine Materialien muss ich mir recht schwer zusammensuchen. Gerade die Parka, die aus den 80ern stammen und gar nicht mehr produziert werden, sind schwer zu bekommen – in guter Qualität, zumindest. Gebrauchsspuren ja, aber bitte keinen Löcherzirkus mit Flecken … Wenn ich sie dann habe, bin ich eigentlich auch versorgt. Reißverschlüsse, Knöpfe, Paspel, Schrägbänder, Gummis etc. findet sich alles an einer einzigen Jacke und wird zu 100 % wiederbelebt.
Die neue Kollektion und viele weitere Produkte von Iwazwersch findet ihr auf der Homepage:
www.iwazwersch.de
















2 Kommentare
Sandra says:
Sep 28, 2011
Super, Melli ist einfach großartig!!!
Melanie says:
Sep 5, 2011
DANKESCHÖN für das schicke Interview! Ich freue mich wahnsinnig!
Ganz liebe Grüße