stoffe meyer in Berlin ist etwas ganz Besonderes. Stoffgeschäften im herkömmlichen Sinne haftet ja oft etwas Verstaubtes, mitunter Altbackenes an. Deshalb entstand die Idee eines Geschäfts für Stoffe und Kurzwaren, das den Bedürfnissen und Wünschen einer neuen Generation von Selbermachern entspricht. stoffe meyer bietet ein außergewöhnliches Sortiment an hochwertigen Naturfaserstoffen und Kurzwaren für Mode und Deko. Und so haben wir Sarah Meyer, die Frau hinter dem innovativen Ladenlokal, zum Interview gebeten.

Du bist seit 2010 die Betreiberin eines sehr erfolgreichen Stoffladens in Berlin: stoffe meyer. Wie kam es zu der Idee für den Laden?
Die Idee für einen Stoffladen ist aus einem Zufall entstanden. Ich habe einen Stoffladen in Leipzig entdeckt der zum Verkauf angeboten wurde. Zu diesem Zeitpunkt war es reine Neugierde der ich gefolgt bin. Ich hatte keinerlei Absicht einen Stoffladen zu eröffnen. Allerdings hat dieser Stoffladen alle Klischees erfüllt, die mit einem Stoffladen in Verbindung gebracht werden: übervolle Regale, das Sortiment hatte keine Struktur usw. Es gab vom Schottenkaro bis zur Brautspitze alles, was man sich vorstellen konnte. Nach einem Gespräch mit der Inhaberin hat sich aber schnell herausgestellt, dass dieser Laden in seinem Zustand keine Kaufoption für mich darstellt. Das hat mich allerdings herausgefordert. Nachdem ich meinem Freund davon erzählt habe, war er sofort begeistert und wir haben angefangen, Ideen für ein neues Stoffladen-Konzept zu entwerfen. Die Idee wurde immer konkreter und ich habe innerlich schon den Laden eingerichtet.
Und wie ist dann das Konzept für deinen Laden entstanden?
Nach einer Marktanalyse war das Konzept relativ klar. Nicht die Beliebigkeit der Sortimentsstruktur, also Stoffauswahl und damit augenscheinliche Vielseitigkeit eines Geschäfts, macht es einzigartig, sondern das Spezielle. Es musste ein Konzept her, das sich auf einen Bereich beschränkt aber in diesem Bereich ein tiefes Sortiment anbietet. Da ich schon immer Naturfasern den Vorzug vor allen Chemiefasern gegeben habe, suchte ich speziell nach Herstellern, die Naturfasern anbieten. Naturfasern sind sehr vielseitig. Baumwollstoff kann zum Beispiel in etlichen unterschiedlichen Strukturen und Webarten hergestellt werden. Gewebe aus Baumwolle können so fein und elegant wie Seide sein, aber auch äußerst robust – für den Einsatz als Polsterstoff oder für den Außenbereich etwa. Mich fasziniert diese Vielseitigkeit. Das erste Merkmal war also klar. Aber das alleine reicht nicht. Ich habe daraufhin nur nach Stoffen gesucht, die mit außergewöhnlichen Mustern bedruckt sind. Am liebsten grafische, nicht zu verspielte Muster. Schnell wurde ich bei skandinavischen Herstellern fündig. Wenn die Stoffe ein GOTS Zertifikat [Global Organic Textile Standard , aus kontrolliert biologischem Anbau ] oder eine kbA Auszeichnung haben, umso besser. Soweit es möglich ist, bemühe ich mich, zertifizierte Stoffe zu ordern.
Für welchen Zweck ein Stoff vorgesehen ist, hat mich erst zweitrangig interessiert. Mein Augenmerk lag und liegt immer insbesondere auf Farben, Mustern und der Faserzusammensetzung. Dadurch ist die Mischung in meinem Sortiment entstanden: Ungefähr die Hälfte meines Sortiments ist für den Interieur-Bereich wie Kissen, Vorhänge etc. vorgesehen, der überwiegende Rest sind Bekleidungsstoffe.

Du hast ein sehr eindeutiges Image, die eine junge Zielgruppe anspricht. Hattest du das so geplant?
Meine Zielgruppe habe ich klar definiert. Sowohl durch das Sortiment, als auch durch meine persönliche Passion und mein Engagement im DIY-Bereich stand fest, dass der Stoffladen eine klare und aufgeräumte Atmosphäre bieten soll, welche Platz für eigene Kreativität und Farbzusammensetzungen hat. Die Stoffe, welche von Designern aus aller Welt stammen, sollten hochwertig und clean präsentiert werden. Es zeigt sich, dass mit der Gestaltung und dem Innenausbau, der Corporate Identity und der Sortimentsstruktur Menschen angesprochen werden, die sich gerne mit klar gestalteten Dingen umgeben und designaffin sind. Es ist immer wieder eine große und interessante Aufgabe, meine Zielgruppe weiterhin anzusprechen und immer neue Menschen auf uns aufmerksam zu machen. Unter anderem sind unsere Nähpartys gezielt auf eine junge Generation von Selbermachern ausgerichtet. Mit einem Nähzirkel würde ich wahrscheinlich keinen jungen Menschen zu stoffe meyer locken. Interessant und aufregend ist für mich vor allem die Kommunikation mit meiner Zielgruppe und die schier endlosen Möglichkeiten hierbei. Glücklicherweise habe ich hierfür einen guten Partner gefunden, der mir bei der Pressearbeit zu stoffe meyer für die relevanten Medien und den Aktionskonzepten hilft. Wichtig ist für einen modernen und innovativen Stoffladen wie stoffe meyer natürlich auch mein Blog und der Social Media Auftritt, bei dem mir auch unter die Arme gegriffen wird. So kann ich immer und regelmäßig mit Interessierten und Freunden in Kontakt bleiben und über aktuelle Geschehnisse aus meinem Alltag im Stoffgeschäft berichten.
Hast du schon vorher Online die Stoffe angeboten?
Nein, gar nicht. Ich habe weder bei Etsy noch bei Dawanda Produkte verkauft. Ich bin Modedesignerin und verfolge sehr interessiert und seit einer ganzen Weile die Entwicklung dieser Plattformen. Vor circa acht Jahren habe ich selbst entworfene Taschen und Klamotten in einem kleinen Laden im Prenzlauer Berg verkauft. Damals habe ich festgestellt, dass ich niemals erschwingliche Preise für meine Entwürfe kalkulieren kann, wenn ich nur Einzelstücke anfertige und das im stillen Kämmerchen selber mache. Der Materialeinsatz und der Arbeitsaufwand sind einfach zu hoch. Daher staune ich oft darüber wie günstig die Produkte bspw. bei Dawanda verkauft werden. Ich finde die Entwicklung sehr spannend und freue mich über Labels, die über solche Plattformen Erfolg haben und hoffentlich auch davon leben können. Diese Labels sind wichtig für alle Idealisten unter uns. Sie spornen an, selbst etwas auf die Beine zu stellen.
Du veranstaltest in deinem Laden auch sehr erfolgreich Nähpartys. Wie bist auf diese Idee gekommen?
Die Idee zu den Nähpartys entstand während der Weiterentwicklung meines Geschäftskonzepts Anfang dieses Jahres in Zusammenarbeit mit meiner PR-Agentur Tonka. Es stellte sich heraus, dass sich die Grundidee, das verstaubte Image von Handarbeiten zu verjüngen und eine andere, jüngere Generation von Selbermachern anzusprechen, sehr gut auf ein Partykonzept übertragen lässt. Warum nicht einen DJ engagieren, eine Bar aufbauen und Nähmaschinen zur Verfügung stellen und zusammen etwas Produktives realisieren? So stärken wir das Gemeinschaftsgefühl und geben den DIY-Begeisterten eine Plattform, um sich auszutauschen und in Kontakt zu treten. Des Weiteren begeistern wir jene Besucher, die noch nie vorher mit einer Nähmaschine in Kontakt gekommen sind. Es ist erstaunlich, wie viele plötzlich die Möglichkeit genutzt haben, um auf meiner Nähparty die ersten Nähversuche zu unternehmen. Danach waren sie ganz glücklich und stolz! Ich freue mich sehr über diese Momente.
Und dein persönlicher Wunsch zu deinem Konzept? Erfolgreich ist es ja schon…
Ich hoffe auf diesem Weg viele Menschen bei der Umsetzung ihrer individuellen Ideen zu unterstützen und ihnen zu zeigen, dass Nähen ein wunderbares Instrument ist, um sich von der Masse abzuheben und seine eigene Individualität zu unterstreichen.
Weitere Infos über den Laden und den Online-Shop findest du unter: www.stoffemeyer.de
















1 Kommentar
heute schmidt says:
Apr 23, 2012
Tolles Interview das entschädigt, Berlin in fast 500 km Entfernung zu wissen, dankeschön